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Auf den Spuren einer frühmittelalterlichen Kirchengründung Archäologische Grabungen an der ehemaligen St. Martins-Kirche von Ermhof führen zu überraschenden Erkenntnissen für die Orts- und Religionsgeschichte


Neukirchen/Ermhof. Eine archäologische Ausgrabung, die schlagartig die Dimensionen der lokalen Religions- und Siedlungsgeschichte verändert hat, weckte das ungeahnte Interesse der gesamten Region, ja sie zog Hunderte von Bürgern aus der Oberpfalz und dem nahen Frankenland förmlich in ihren Bann. Ein nicht abreißender Besucherstrom begleitete das Team unter Leitung des Archäologen Dr. Mathias Hensch in den sechs Wochen der Grabungskampagne vom 16. August bis Ende September 2006. In akribischer, aber ungemein spannender Kleinarbeit wurden Teile der Fundamente und des Friedhofs jenes Gotteshauses von Ermhof freigelegt, das vor 27 Jahren - längst zweckentfremdet und baufällig - bis auf die Grundmauern abgetragen wurde. Von der Erkenntnis, dass die Wurzeln dieser sakralen Gebets- und Glaubensstätte weit über die erste Jahrtausendwende in die Frühzeit des Christentums unserer Region reichen, waren die Besucher höchst erstaunt und beeindruckt. Nach bisherigen Erkenntnissen ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der hl. Wunibald, der Bruder und Mitstreiter des Bistumsgründers Willibald, vor mehr als 1200 Jahren zur Missionierung und Glaubensvertiefung in unserer Region und damit auch in Ermhof weilte. Nach einer authentischen Lebensbeschreibung der zeitgenössischen Nonne Hugeburc wurde Wunibald um 744 nach Chr. vom Baiernherzog Odilo in das Gebiet der "Nordfiluse", aller Wahrscheinlichkeit nach die Gegend am Oberlauf der Vils also bei Vilseck/Amberg entsandt. Dort sollte er die jungen Christen zur Abkehr von den Einflüssen des Heidentums bewegen. Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch, durch zahlreiche Ausgrabungen in der Region bestens bekannt, stellte sich immer wieder bereitwillig den Fragen der von den Ergebnissen des Forschungsprojekts faszinierten Besuchern. Schon bald nach dem ersten Spatenstich ist man auf die Vorgängerkirche der 1979 abgegangenen Kapelle von Ermhof gestoßen, eines Saalbaus mit halbrunder Apsis, der mit Sicherheit auf Grund der lagenartigen Steinsetzung dem 9. Jahrhundert oder einer noch früheren Epoche angehört. Noch ältere Spuren kirchlichen Lebens werden nicht ausgeschlossen. Vorgefundene Pfostenlöcher deuten möglicherweise auf die Existenz einer Holzkirche hin. Zur genaueren Datierung der Bauzeit werden noch Radiocarbon-Untersuchungen von vorgefundenen Holzkohlenresten im Setzmörtel des Mauerwerks beitragen. Ergriffen standen die Besucher auch an den geöffneten Erwachsenen- und Kindergräbern unmittelbar an den Außenwänden der Kirche. Sie alle stammen von Menschen, die in einer engen Beziehung zu dieser grundherrschaftlichen Eigenkirche von Ermhof gestanden haben. Das Skelett einer an den Gliedmaßen gefesselten Frau, ein auch für versierte Archäologen nicht alltäglicher frühmittelalterlicher Fund oder eine in einem Baumsarg mit Ohrring Bestattete lenkten das besondere Interesse auf sich. Gerade auch diese noch von der heidnischen Vorstellungswelt geprägten Begräbnissitten, auch vorgefundene Steinsetzungen zur Abwehr böser Kräfte gehören dazu, datieren den Ursprung des kirchichen Lebens von Ermhof in die Übergangszeit vom Heiden- zum Christentum. Mathias Hensch versäumte es auch nicht, die Grabungsaktion von Ermhof 27 Jahre nach dem Abriss der Kirche zu begründen. Nicht von ungefähr ließen schon im Vorfeld der Grabung einige signifikante Indizien auf ein hohes Alter von Gotteshaus und Ort schließen. Einmal zählt der aus dem Grundwort "hofen" und dem Bestimmungswort "Arbo", einem germanischen Personennamen zusammengesetzte Ortsname Ermhof zu den aus dem 7. bis 9. Jahrhundert stammenden Siedlungen unserer Gegend. Und in religionsgeschichtlicher Hinsicht weist das frühmittelalterliche Patrozinium St. Martin, eines beliebten Namengebers für fränkische und karolingische Kirchengründungen, auf ein hohes Alter hin. Schließlich spricht auch die geografische Lage von Ermhof an einer bedeutenden Altstraße im fränkisch - baierischen Grenzgebiet für eine Existenz weit vor der ersten Jahrtausendwende. Dass der Raum Neukirchen - Ermhof schon sehr früh mehr unter fränkischen als baierischen Einfluss stand, wird durch die Nähe zum heutigen Markt Lauterhofen offenkundig, wo bereits unter Karl Martell um 740 ein fränkischer Königshof bestand. Auch die Zugehörigkeit zum Bistum Eichstätt spricht für die fränkische Einflusssphäre in dieser Region. Höchst interessant sind die historischen Parallelen zwischen Ermhof und Lauterhofen: Beide Orte besaßen dem hl. Martin geweihte Kirchen, lagen an wichtigen Altstraßen und weisen Ähnlichkeiten in der Ortsnamensanalyse auf.

Fazit:



Die Forschungsarbeit von Mathias Hensch und seines Teams erhellt die bisher unbekannte Frühzeit der Ortsgeschichte von Neukirchen/Ermhof bahnbrechend. Die Urkirche von Neukirchen ist wohl nicht in Etzelwang, sondern in Ermhof anzusiedeln. Nicht auszuschließen ist auch, dass sich der hl. Wunibald hier aufgehalten hat. Erm-hof zählt neben der Burgkirche von Sulzbach zu den ältesten Kirchenbauten der gesamten Region. Die Forschungsarbeiten sollen im Frühsommer kommenden Jahres fortgesetzt werden. Spenden für die weitere Grabungskampagne und für die zur wissenschaftlichen Beweissicherung unentbehrlichen Radiocarbon-Untersuchungen werden auf folgenden Konten der Gemeinde Neukirchen entgegengenommen: Sparkasse Neukirchen: Konto-Nr.: 380 300 400, BLZ: 752 500 00; Raiffeisenbank Neukirchen: Konto-Nr.: 636 002, BLZ: 760 693 69. Die Gemeindeverwaltung stellt gerne Spendenbescheinigungen zur Vorlage beim Finanzamt aus.

Walter Schraml, Ortsheimatpfleger

 

Bericht von der Gemeindeexkursion 2008

Dass eine Gemeinde der Oberpfalz vielfältige und interessante Bezugs- und Berührungspunkte mit dem Frankenland hat, darüber waren die Teilnehmer der Gemeindeexkursion 2008 erstaunt und überrascht. Zum zweiten Mal nach 2006 startete eine Reisegruppe von Neukirchen und Umgebung unter Leitung von Bürgermeister Winfried Franz und Ortsheimatpfleger Walter Schraml, zu einer Zeit- und Kulturreise ins östliche und südliche Mittelfranken.

„Von der Via Carolina zur Fossa Carolina" führte die Exkursion zu beeindruckenden Zeugnissen des Jahrhunderte alten Menschheitstraums von einer schiffbaren Verbindung zwischen Main und Donau bzw. zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Aber auch Stationen mit lokalem Bezug gehörten zum Programm der abwechslungs-reichen Fahrt.

Schon bald nach Verlassen der Landkreis- und Bezirksgrenze passierte die Exkursion Orte, die mit der Geschichte Neukirchens aufs Engste verbunden sind. Es waren die mächtigen Herren auf der Burg Reicheneck östlich von Happurg, die 1306 der aus der Karolinger Zeit stammenden St. Martinskapelle von Ermhof als erste urkundliche Nachricht einen Schutzbrief ausstellten. Leider wurde die monumentale und wohlerhaltene Veste auf dem hohen Felssporn zwischen Albach- und Kainsbachtal vor 200 Jahren ohne zwingenden Grund abgebrochen und bis auf kümmerliche Reste dem Erdboden gleichgemacht. Eismannsberg im Traunfelder Tal mit dem imponierenden Herrschaftssitz des Adelsgeschlechts derer von Oelhafen sowie Grünsberg im Schwarzachtal, das Stammschloss der Paumgartner und der Stromer von Reichenbach, waren die weiteren Stationen der Reise auf den Spuren berühmter und für die Hofmarksgeschichte von Neukirchen-Rupprechtstein und von Holnstein bedeutender Adelsfamilien. So waren es die Oelhafen, die zu den Miter-bauern des alten Neukirchener Rathauses und zu den letzten Hofmarksherren auf Rupprechtstein überhaupt gehörten. Als erstem Höhepunkt in Sachen Kanalbaugeschichte steuerte die Oberpfälzer Reisegruppe den Brückkanal bei Feucht an, einer trogartigen Überführung des Ludwig-Donau-Main-Kanals über das Tal der Schwarzach, die zu den grandiosen technischen Meisterleistungen der 173 km langen Schifffahrtsfahrtsstraße des Bayernmonarchen gehört. Ein Abstieg in die „Katakomben", einem domartig ausgebildeten Widerlager der Kanalbrücke bestätigte dies in eindrucksvoller Weise. Der weitere Verlauf der Studienfahrt führte zum Europakanal von 1992 im Landkreis Roth-Hilpoltstein. Dort befindet sich unweit des Rothsees eine der größten Schleusen in Europa mit einer Hubhöhe von 25 Meter. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren fließt das Wasser bei einer Bergfahrt aus drei riesigen Becken in die Schleusenkammer. Dass auch im so genannten Dritten Reich ein Kanalbauversuch unternommen wurde, nimmt nicht wunder. Reste des nach Kriegsbeginn aufgegebenen Versuchs finden südlich von Hilpoltstein.

End- und Höhepunkt der Rundfahrt war der Besuch der „Fossa Carolina" bei Treuchtlingen, jenem 1200 Jahre alten Kanalbauprojekt Karls des Großen. Ein heute noch vorhandener 500 m langer Graben gibt ein beredtes Zeugnis von der einmaligen Ingenieurleistung des 8. Jahrhunderts. Neuere Forschungen ergaben, dass dieser karolingische Kanal mit einer Länge von ca. 3000 m in Betrieb war.

Ein Besuch des Römerkastells Burgus bei Burgsalach und der Stephanuskirche in Mindorf, einem kunsthistorischem Kleinod im Bistum Eichstätt, rundete das Programm ab.

Mit einer Rundfahrt auf dem vor Jahren gefluteten Brombachsee klang der erlebnisreiche Tag aus

Das Foto zeigt die Reisegruppe an der „Fossa Carolina", dem ersten Kanalbauprojekt aus dem 8. Jahrhundert.

Bericht und Foto Schraml

 

 

 

 

Kulturpreis 2008

 

Ermhof/Neukirchen. Großer Tag für Ermhof: In Anerkennung und Würdigung der herausragenden geschichtlichen Bedeutung der archäologischen Grabung an der St. Martinskirche für die ganze Region wurde dieses Bodendenkmal mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet. In einem Festakt im Freilandmuseum Neusath konnte die Delegation unter Leitung von Bürgermeister Winfried Franz den mit 2000 Euro dotierten Preis aus den Händen von Bezirkstagsvizepräsident Ludwig Spreitzer entgegennehmen.

Zum Auftakt der Feierstunde hob der Bezirkstagspräsident die Bedeutung der Kultur für ein Staatswesen hervor. Bayern sei allemal der Kulturstaat. Doch gelte es, das kulturelle Erbe pfleglich zu behandeln und für die Nachwelt zu erhalten. Kultur gebe es nicht zum Nulltarif, sie dürfe aber auch nicht in Zeiten knappen Geldes dem Spardiktat um jeden Preis unterworfen werden. Seiner Freude und Genugtuung gab der Sprecher hinsichtlich der qualitativ hochstehenden kulturellen Leistungen Ausdruck, die in diesem Jahr von der Jury für eine Prämierung ausgewählt werden konnten.

Die Laudatio für die Kulturpreise im Bereich Bodendenkmäler hielt der Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz Dr. Franz Xaver Scheuerer, der auch das archäologische Projekt Ermhof während der Grabungskampagnen intensiv und mit großem Interesse begleitet hatte. Dank der Archäologie gewinne man wesentlich konkretere Vorstellungen von der Vergangenheit, von der oftmals keine oder kaum schriftlich fixierte Überlieferungen und Urkunden vorhanden wären. Archäologie öffne ein Fenster in die Frühgeschichte und offenbare erstaunliche und faszinierende Erkenntnisse über frühere Epochen, so auch im Fall der St. Martinskirche von Ermhof und ihrem karolingischen Ursprung. Für die Region und deren historische Wurzeln leiste St. Martin einen wertvollen Beitrag für die Erforschung der nahezu im Dunkeln liegenden frühmittelalterlichen Geschichte des achten bis zehnten Jahrhunderts. Ermhof sei – so der Sprecher -, eine königliche Grundherrschaft oder Villikation, an der Grenze zwischen Franken und Baiern oder zwischen den Bistümern Regensburg und Eichstätt. Es sei auch keineswegs auszuschließen, dass St. Martin vom großen angelsächsischen Missionar des frühen Mittelalters, Wunibald, aufgesucht oder gar gegründet wurde. Die zeitgenössische Nonne Hugeburc aus Heidenheim habe in der Lebensbeschreibung „Vita Wynnebaldi“ rund 20 Jahre nach dem Tod des hl. Wunibalds am 18. Dezember 761 von einem missionarischen Auftrag des Glaubensboten m Nordgau, und zwar an der „Nordfilusa“, der Gegend am Oberlauf der Vils, berichtet. Auch das St. Martins-Patrozinium, und der Ortsname von Ermhof (Hof eines „Arbo“) seien gewichtige Indizien für ein hohes Alter des Ortes und seiner Rolle als herrschaftlicher Fronhof. Dr. Scheuerer versäumte es nicht, allen an der Grabung Beteiligten, dem Archäologen Dr. Mathias Hensch und seinem Team, der Familie des Grundstückseigentümers Christoph Seitz, Kreisheimatpfleger Conrad und Ortsheimatpfleger Schraml sowie der gesamten

 

 

Unser Foto von der Preisverleihung zeigt von links nach rechts: Bezirksrat Gaßner, Bürgermeister Franz, Grundstückseigner Seitz, Bezirkstagsvizepräsident Spreitzer, Bezirksheimatpfleger Dr. Scheuerer und Archäologe Dr. Hensch. Foto: Schraml

 

 

 

 

Altmühlfahrt 2009

 

Neukirchen. Frühgeschichtliche Flurdenkmäler und historische Stätten waren die Ziele einer Studien- und Besichtungsfahrt des Fördervereins „Freunde von St. Martin, Ermhof e.V.“ .Die Exkursion ins landschaftlich wie geschichtlich reizvolle Altmühltal sollte als Anregung und Ideensammlung für eine zeitgemäße und würdige Gestaltung einer Dokumentations- und Informationsstätte an den baulichen Überresten von St. Martin in Ermhof dienen. Und das Tal eines der beschaulichsten Flüsse in Bayern mit vielen Hinterlassenschaften aus der Kelten- und Römerzeit wartete denn auch mit einer vielfältigen Palette an vor- und frühgeschichtlichen Fundorten auf. Kompetent und sachkundig wurde die interessierte Reisegruppe aus der Neukirchener Region von Dr. Mathias Hensch und vor Ort in Kelheim von Kreisarchäologin Dr. Ruth Sandner betreut und begleitet. Auf der Fahrt wurde erstmals das neue Banner von der Grabung Ermhof von Heimatpfleger und Reiseleiter Walter Schraml vorgestellt.

Erste Station war die beeindruckende Rekonstruktion eines keltischen Zangentores an der Gronsdorfer Schleuse in Kelheim, der geschichtsträchtigen Stadt am Zusammenfluss zwischen Altmühl und Donau und zugleich Ausgangspunkt für den erst im Sommer 2008 eröffneten größten bayerischen Archäologiepark Altmühltal. Dieser mächtige Torbau aus dem 2./1. Jahrhundert vor Christus markierte den einstigen Zugang zum keltischen Oppidum Alkimoennis mit den gewaltigen Ausmaßen von über 600 Hektar. Schautafeln und eine sympathische Stimme aus einer Sprechsäule vermittelten der Westoberpfälzer Reisegruppe Informationen und spannende Geschichten aus der Welt der Kelten. Im weiteren Fahrtverlauf Altmühl aufwärts wurde dann de künstlerische Nachbildung eines 2500 Jahre altes Web-Hauses bei Prunn/Riedenburg besucht. Auch dieses Flurdenkmal kam durch archäologische Notgrabungen beim Bau des Rhein-Main-Donaukanals zu Tage. Über Riedenburg, der Stadt mit der mächtigen Rosenburg als Wahrzeichen, und dem ebenfalls burggekrönten Kipfenberg im breiten, ehemaligen Urstromtal der Donau, erreichte man Pfünz im Naturpark Altmühltal. Der Name dieses kleinen Ortes rührt von einem Brückenübergang über die Altmühl, lateinisch pons, her. An dieser strategisch wichtigen Stelle wurde auf einem Bergsporn hoch über dem Fluss um das Jahr 90 nach Christus ein befestigtes Truppenlager der Kohorte Breuker, ein so genanntes Auxiliarkastell, erbaut. An die 300 solcher Römerkastelle entlang des 550 km langen obergermanisch-rätischen Limes vom Rhein bis an die Donau dienten dem Schutz und der Überwachung der Nordgrenze des römischen Imperiums. Die rekonstruierte Nordmauer mit dem doppeltürmigen Portal und einem begehbaren Eckturm wurden staunend bewundert. Auch hier konnten die Freunde der Ermhofer St. Martinskirche einen trefflichen Eindruck von einem rekonstruierten Bodendenkmal gewinnen. Bekanntlich bedeutet ja Rekonstruieren einer frühgeschichtliche Anlage diese ohne Zerstörung der Originalsubstanz mit neuem Baumaterial original wieder herzustellen. Die Fahrtroute führte dann über die Bistumsstadt Eichstätt am Fuße der St. Willibaldsburg nach Dollnstein, wo Archäologe Dr. Mathias Hensch über seine mehrjährigen Grabungen in der mittelalterlichen Burg unmittelbar am Altmühlufer berichtete und auf eine kaum bekannte Verbindung des dort ansässigen Adelsgeschlechtes zu den Sulzbacher Grafen verwies. Eingehend schilderte er auch den Sensationsfund seines Grabungsteams im Jahre 2007, einem Tongefäß mit 3000 Silbermünzen aus dem Mittelalter. Zu den Höhepunkten der Zeitreise in die Vergangenheit gehörte zweifellos der Besuch der Sola-Basilika und ihrer Vorgängerbauten in Solnhofen. Dank archäologischer Untersuchungen stieß man hier in den 60 und 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf die Fundamente von mindestens fünf Kirchen aus einem Zeitraum von 650 nach Christus bis zum Abbruch der Basilika im Jahre 1783. Die zwei ältesten Kirchen entstanden bereits 100 Jahre vor Ankunft des angelsächsischen Missionars Sola um 750 n. Chr. in Husen, dem früheren Namen von Solnhofen. Übrigens war der Mönch Sola ein Zeitgenosse von Wunibald, der ebenfalls im achten nachchristlichen Jahrhundert in der Mission an der „Nordfilusa“, der oberen oder Oberpfälzer Vils, wirkte. Sola war im Sualafeldgau, Wunibald fast zeitgleich im Nordgau des fränkischen Bistums Eichstätt tätig. Und zum letzterem gehörte ja auch Ermhof und sein Umland. Den Schlusspunkt der archäologischen Besichtigungstour bildete die Sankt Gunthildiskapelle bei Suffersheim im Schambachtal bei Treuchtlingen. Hier lebte am Ufer des Schambachs im 11. Jahrhundert die wohltätige Magd St: Gunthildis, die sich des kranken Viehs annahm und im Ruf einer heiligmäßigen Nothelferin stand. Im 14. Jahrhundert wird in den Annalen von einer „Capella Sancta Gunthildis“ berichtet. Von dieser sind wie in Ermhof leider nur mehr bescheidene Spuren vorhanden. Schautafeltexte erläutern den Besuchern die geschichtlichen Hintergründe dieser mittelalterlichen Wallfahrtsstätte. Unmittelbar neben den gesicherten Fundamenten der Sakralstätte wurde von einem ökumenischen Förderverein vor einigen Jahren eine architektonisch kuriose Kapelle errichtet, die auf Grund ihrer Grundrissform in Gestalt eines Ammoniten auch als Schneckenhaus Gottes bezeichnet wird.

 



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